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Eine Lizenz zum Gelddrucken?

Im SK-Gespräch: René Zeitz, der 34-Jährige träumt von eigenem Geld für Schwerin

Foto: Eine Lizenz zum Gelddrucken?
René Zeitz: Als Geschäftsführer des Hofladens vom  Hof Medewege akzeptiert er längst Regiogeld aus anderen Bundesländern. Foto: is
Schwerin, 14.4.12
Geld sollte dem Menschen dienen, nicht umgekehrt. Das ist die kürzeste Formel der Idee vom „Regiogeld“, einer ergänzenden Währung zum gesetzlichen Zahlungsmittel Euro. Geld mit Geld zu verdienen, sei unsozial, meinen die Initiatoren des selbstgemachten Geldes, denn: Geld arbeite nicht, es seien die Menschen, die arbeiten. Deshalb soll das Geld, das die Menschen verdienen, auch in der Region bleiben und dort Wohlstand und Sicherheit gewährleisten. Eine schöne Theo­rie, möchte man meinen, die andernorts aber – zumindest  in einem gewissen Umfang – durchaus funktioniert. Und so hofft Stadtvertreter René Zeitz, dass man auch in Schwerin demnächst mit Regiogeld bezahlen kann.
Schweriner Kurier: Wie sind Sie auf das Regiogeld gekommen?
René Zeitz: Eigentlich durch unseren Schweriner Tauschkreis. Die Grundidee ist im Prinzip dieselbe: Wir tauschen Leistungen gegeneinander, also Arbeitszeit gegen Arbeitszeit. Und dafür gibt es auch eine Art Währung, nämlich die „Talente“. 20 Talente entsprechen einer Stunde Arbeitszeit.
Also Kuchenba­cken gegen Wandstreichen.
So ungefähr.
Ist das nicht Schwarzarbeit? Müsste man nicht Steuern dafür bezahlen?
Nein, das läuft unter Nachbarschaftshilfe.
Unter dem Motto könnte man dann auch die Haushaltshilfe und den Bauarbeiter zu guten Nachbarn erklären. Ist das ein steuerliches Schlupfloch oder ist das Finanzamt da nur noch nicht drauf gekommen?
Nein, das ist ganz legal.
Mit dem Regiogeld könnte man dann aber auch Äpfel, Fahrscheine oder Eintrittskarten kaufen.
Genau, das ist der Unterschied. Beim Regiogeld geht es nicht nur um Arbeitszeit, man kann damit bei allen bezahlen, die die Währung akzeptieren.
Selbstgemachtes Geld? Das klingt irgendwie nach Spielgeld. Kann man das überhaupt fälschungssicher herstellen?
Man muss mit viertausend Euro an Kos­ten rechnen, um 500.000 Blüten herzustellen.
Blüten also.
Fälschungssicher bedruckte  Zettel eben, egal, wie Sie sie nennen – meinetwegen MeckBurger oder Schwerintaler.
Und mit diesen Talern wollen Sie das Schweriner Theater retten? Ist das nicht eine Nummer zu groß? Schließlich müsste man, wenn die Beschäftigten ein Viertel ihres Einkommens als Regiogeld bekommen sollen, umgerechnet etwa 4,5 Millionen Euro pro Jahr einsetzen.
Nein, nicht so viel, das Geld soll schließlich zirkulieren. 4,5 Millionen Euro pro Jahr, das sind knapp 400.000 Euro pro Monat. Das wäre umgerechnet die Summe, die man in Umlauf bringen müsste. Mit dem Regiogeld müsste man zum Beispiel Miete, Gas und Wasser, aber eben auch Theaterkarten bezahlen können.
Vorausgesetzt, die Währung wird akzeptiert – sowohl bei den städtischen Unternehmen als auch bei anderen Anbietern, und vor allem bei denjenigen, die einen Teil ihres Gehaltes in „bedruckten Zetteln“ erhalten.
Das stimmt. Wenn die Theatermitarbeiter auf das Regiogeld nicht vertrauen, müssen sie es bei der Bank umtauschen können. Allerdings wäre  das dann mit einem vielleicht dreiprozentigen Verlust verbunden – um neben dem Verfallsdatum einen Anreiz zu schaffen, das Geld eben nicht zur Bank, sondern als Zahlungsmittel in Umlauf zu bringen.
Die Banken müssen also auch mitspielen?
Zumindest eine – die Sparkasse beispielsweise. Ich denke, in Schwerin sollte die Stadt selbst das Regiogeld herstellen und in Umlauf bringen, dadurch wäre auch die Akzeptanz der Währung bei den städtischen Unternehmen gewährleistet. Als Sicherheit müss­te die Stadt dann einen dem Wert des in Umlauf gebrachten Regiogeldes entsprechenden Betrag bei der Sparkasse deponieren.
Nochmal: Ist das nicht eine Nummer zu groß? Was, wenn das Ganze nicht funktioniert und Schwerin sich einmal mehr überregional blamiert?
Es wäre ja kein Experiment, andere Städte und Regionen machen uns das längst vor. Und zur 850-Jahrfeier in Schwerin hatten wir mit dem Zehn-Euro-Jubiläumstaler ja selbst schon etwas Ähnliches: Die meisten haben sich dieses Geld zwar als Sammlerstücke aufbewahrt, aber man konnte damit auch in etlichen Geschäften der Stadt bezahlen.
Wenn das so einfach ist, warum haben Sie dann nicht einfach schon mal Geld in „kleinerer Auflage“ auf den Markt gebracht? Haben Sie Angst, dass man das Projekt der „Öko-Ecke“ zuordnen und damit abtun würde?
Ja, das auch. Aber das Entscheidende ist: Unser Finanzdezernent schichtet Woche für Woche Millionen um, bei dem geringen Zinssatz kann er das aktuell auch gut machen. Als Diplomfinanzwirt weiß ich aber, dass der Preis fürs Geld perspektivisch wieder steigt und dass wir gezwungen sein werden, neue Wege zu gehen.
Auf der Stadtvertretersitzung sagten Sie, Frau Gramkow müsse sich darüber Gedanken machen, wie es nach dem Ende des Euros weitergeht. Ist das Ende des Euros für Sie wirklich in Sicht?
Kurz- oder mittelfristig, ja.
Und was sagt die Oberbürgermeisterin zu Ihren Ideen?
Bis jetzt nichts, ich frag da nochmal nach.
Ihre eigene Fraktion, konnten Sie die denn schon missionieren?
Nicht wirklich.
Und die, auf die sie es zu deren Rettung abgesehen haben, die Thetaermitarbeiter?
Herr Kümmritz hat etliches Material dazu erhalten, ich habe aber noch keine Rückmeldung von ihm.
Klingt fast, als seien Sie in Schwerin der Einzige, der an die Regiogeld-Idee glaubt.
Nein, das stimmt so nicht. Wie gesagt, beim Tauschkreis ist man schon von der Idee überzeugt, und auch der Vorstand des Vereins „Lokale Agenda“ ist mehrheitlich daran interessiert. Wir sind jetzt dabei, an Theatermitarbeiter, aber auch an Kommunal- und Landespolitiker Flyer und DVDs mit Informationen über das Regiogeld zu verteilen. Ich denke, wenn man sich über das Thema richtig informiert, weicht auch die Skepsis.
Warum machen Sie das alles? Bisschen Welt retten?
Wenn Sie das so formulieren möchten … – ja doch, schon.
Was machen sie sonst noch dafür?
Ich engagiere mich beim BUND, für Direkte Demokratie, bei Attac, nicht zuletzt beim Kulturverein Medewege und seit September eben auch als Stadtvertreter. Und ich habe kein Auto, keinen Fernseher, verzichte größtenteils auch auf das Handy …
… aber auf Geld trotz allem nicht so ganz. Mal angenommen, Sie können an entscheidender Stelle doch noch für Ihr Extra-Geld begeis­tern, wann sollte man denn mit der Einführung beginnen?
Bis Juli/August sollte durch Land und Stadt die Machbarkeit geprüft werden, und dann sollte man – möglichst auf Ini­tiative des Landes – ab 2013 auch in Mecklenburg-Vorpommern Regiogeld einsetzen. Gespräch: I. Schwaß

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