Im Schweriner-Kurier-Porträt: die Schweriner Holzbildhauerin Silke Krempien, die gern verreist und Fossilien sammelt
Silke Krempien vor der Galerie „Blickwinkel“ mit einem ihrer Werke. Foto: StK
Schwerin, 28.4.12
Ich bin sozusagen steinreich“, schmunzelt Silke Krempien und meint damit ihre umfangreiche Sammlung an Hühnergöttern, Seeigeln und sonstigen Fossilien, die ihr Haus in Schwerin-Warnitz schmücken. Steine sammeln in der halben Welt ist ihr Hobby, aber es gibt ein Material, das sie doch noch lieber mag: Holz. Daraus schnitzt, sägt und feilt sie Reliefs, Skulpturen und Schmuck.
Für die Motive, unter anderem Felder, Wiesen, Bäume, Tiere, Ornamente und abstrakte Formen, lasse sie sich gern auf Reisen inspirieren, sagt sie – auf den Kanarischen Inseln, wo sie oft weilte, und besonders in Südamerika, wohin es sie immer wieder zieht. Ziele bisher waren zum Beispiel Peru, Ekuador, Mexiko und Guatemala (dort hat sie Verwandte). Doch nicht zuletzt findet sich in ihren Werken auch die Schönheit ihrer mecklenburgischen Heimat wieder.
Die 46-Jährige ist in Crivitz geboren, in Schwerin aufgewachsen und verließ nur zweimal für längere Zeit ihre Heimat, zuerst von 1982 bis 1985, als sie in Thüringen den Beruf der Holzbildhauerin erlernte. „Ursprünglich wollte ich Töpferin werden“, sagt sie, „aber dann hat mein Vater gesagt, guck dir doch mal an, was die Denkmalpfleger, die Holzbildhauer von denen, so machen.“
Sie schaute, war begeistert und wurde tatsächlich Lehrling bei der Denkmalpflege, die sie dann in den Süden der Republik schickten. Nur an einem einzigen Standort, im thüringischen Empfertshausen, wurden damals in der DDR Holzbildhauer ausgebildet. Danach kehrte sie nach Schwerin zurück, wo sie für die Denkmalpflege überwiegend im Schweriner Schloss restaurierte. Sie ergänzte zusammen mit den Kollegen an einem Relief im Speisezimmer die abgebrochenen Teile und formte nach Gipsmodellen und Fotos Tierköpfe und Engel für die Konsole im Rosa Salon.
Wirklich schöne Aufgaben für eine Handwerkerin, aber eigentlich habe sie so gern Kunst studieren wollen. „Mein Betrieb hatte daran kein Interesse, bot mir jedoch im Gegenzug eine Meisterausbildung an“, sagt sie. Sie griff zu und verließ im Jahr 1989 ein zweites Mal ihre Heimatstadt und zog für drei Jahre wieder nach Empfertshausen. Zwischendrin, im Juni 1990, nutzte sie kurzerhand die neuen Möglichkeiten nach der Wende und machte sich beruflich selbständig. Zwei Jahre später lieferte sie dann ihr Meisterstück ab: eine Skulptur aus Eiche namens „Fischer und sin Fru“. Manche hätten hierin Ähnlichkeiten mit Barlach-Plastiken erkannt, ihrem Lieblingsbildhauer.
Mit Beginn der Selbständigkeit widmete sich Silke Krempien zunehmend der Kunst. „Ich habe 1990 angefangen mit kleinen Reliefs, die vor allem touristischen Motive darstellten“, sagt sie, „zum Beispiel den Leuchtturm von Hiddensee und ein Bauernhaus.“ Von dem Haus habe sie ungefähr 1.000 Stück angefertigt, schätzt sie und schmunzelt: „Serienfertigung sozusagen.“ Inzwischen sind die Sujets deutlich vielfältiger. Ein Teil ihrer Holzkunst ist in der Produzentengalerie „Blickwinkel“ in der Münzstraße 18 zu sehen und zu erwerben.
Am liebsten arbeitet sie mit Eiche, einem stabilen Material mit schöner Farbe und Maserung. Aber auch andere Hölzer setzt sie ein, in der Galerie ist zum Beispiel ein Ornament zu sehen, für das sie Kirschbaum verwendet hat. Ihre Reliefs beizt sie oft in Gelb-, Rot- und Grüntönen. „Meine Bilder waren auch früher schon zumeist farbig, aber über die Jahre sind sie immer farbiger geworden.“ Vor allem sattes Rot und kräftiges dunkles Grün schmücken die Werke.
Ihre Kunst zeigte sie bereits in vielen Ausstellungen in Deutschland und sogar dem Ausland. So war sie zum Beispiel in der Nähe von Wien und in Brüssel vertreten. In der belgischen Hauptstadt trug sie zur Exposition „Ohne Frauen ist kein Staat zu machen“ bei. Auch Auszeichnungen erhielt die Mecklenburgerin bereits, unter anderem gewann sie 2000 den ersten Preis beim Internationalen Buchdorf-Festival in Mühlbeck, wo sie vor Publikum eine Skulptur zum Thema „Worte“ schuf. Apropos Worte: Zu vielen ihrer Kunstwerke, vor allem den abstrakten, hat sie Texte verfasst, die das jeweilige Stück nicht erklären, sondern dieses poetisch begleiten sollen.
Silke Krempien ist jedoch nicht allein Künstlerin. In ungefähr der Hälfte ihrer Arbeitszeit wirkt sie nach wie vor als Restauratorin. Dabei habe sie überwiegend in Kirchen zu tun. So ergänzte sie zum Beispiel fehlende Blätter und Säulen des Krämer-Altars in der Wismarer Nikolai-Kirche und arbeitete kürzlich das Gestühl in der Kirche in Alt Meteln mit auf. Gern erinnert sie sich auch an einen Auftrag in Schwerin, wo sie in einem Haus am Schelfmarkt die Wandgestaltung, filigrane hölzerne Ranken, erneuerte.
Ihre erste Arbeit als Selbständige führte sie jedoch nach Wernigerode, wo sie für ein Hotel zwei Skulpturen kopierte. Sie hatte sich in der Region um Aufträge gekümmert, weil sie damals plante, in den Harz umzuziehen. Sie entschied sich dann doch anders und hat dies nicht bereut: „Die Landschaft, die Weite in Mecklenburg liegen mir doch sehr am Herzen“, sagt sie. „Auch das Wasser würde mir sehr fehlen.“ An der Ostseeküste ist sie immer wieder unterwegs, um Fossilien zu sammeln. Und Treibholz für ihre Kunstwerke. Stefan Krieg