Im Schweriner-Kurier-Porträt: die Juristin und Mediatorin Madlen Spelling, die gern mal trickreich vermittelt
Madlen Spelling hilft, Konflikte zu lösen, ohne Lösungen vorzugeben. Foto: StK
Schwerin, 9.6.12
Wenn ich sage, ich beschäftige mich mit Mediation“, lacht Madlen Spelling, „dann heißt es oft: alles klar – Om!“ Dabei hätten Mediation und Meditation nichts gemeinsam, die beiden Wörter klängen nur ähnlich. Eine Mediatorin wie sie darf nun gerade nicht in sich versunken sein, sondern sie vermittelt hellwach zwischen zwei oder mehr Streitenden. „Ich gebe keine Lösungen vor, die Parteien müssen ihre Konflikte mit meiner Hilfe eigenverantwortlich lösen“, sagt sie, „nur so ist es möglich, eine Lösung zu finden, die allen Streitbeteiligten gerecht wird und vor allem nachhaltig wirkt.“
Madlen Spelling wurde 1979 in Parchim geboren und wuchs in dem kleinen Ort Peckatel bei Schwerin auf. Sie besuchte in Plate die „Naturgrundschule“ und später das Crivitzer Gymnasium, von dem sie nach Schwerin zum Herder-Gymnasium wechselte, wo sie ihr Abitur ablegte.
Und dann ging es ihr auch schon ums Recht: Die junge Frau lernte in der Schweriner Anwaltskanzlei BDP den Beruf der Rechtsanwaltsfachangestellten. „Es war ein schönes Arbeitsklima“, lobt sie, „ich hätte dort alt werden können. Ich wollte aber noch studieren. Mein damaliger Chef war ganz traurig, als ich dann wegging.“ Parallel zu ihrer Ausbildung, die von 1999 bis 2002 dauerte, jobbte sie im Capitol. „Die Kasse am Kino 5, das war mein Revier“, sagt sie, „da habe ich mein Verkaufstalent entdeckt.“
Von 2002 bis 2006 belegte sie an der Universität Hamburg das Fach Rechtswissenschaft (Jura). Ihren Lebensunterhalt finanzierte sie mit einem Job in der Uni-Bibliothek für Internationale Angelegenheiten. Und sie arbeitete in Anwaltskanzleien, wobei ihr ihre Ausbildung zupass kam.
Schon während des Studiums entwickelte die heutige Diplom-Juristin ihre so genannten Soft Skills, die „Soziale Kompetenz“. Dazu nutzte sie auch den Kurs „Verhandeln“. Sie erinnert sich: „Unsere Dozentin war eine Mediatorin, in diesem Zusammenhang habe ich zum ersten Mal überhaupt von dem Begriff Mediation gehört. Ich habe hierbei entdeckt, dass es eine Möglichkeit gibt, Konflikte auch außergerichtlich zu lösen, und dass diese Art der Konfliktlösung gegenüber einem herkömmlichen Gerichtsverfahren zudem oftmals Kosten, Zeit und Nerven spart. Ich war fasziniert davon und habe in diesem Moment meine zweiten beruflichen Wurzeln gefunden.“
Bei der Mediation treffe sie sich mit ihren Mandanten (den Medianden) in der Regel zu drei bis fünf Sitzungen. Dieses Vermitteln zwischen den Konfliktparteien laufe in mehreren Phasen ab. „Die wichtigste für mich ist die Interessenphase“, erläutert sie, „hier geht es darum, zum eigentlichen Kern des Konflikts vorzudringen.“ Um zu erklären, was sie damit meint, verwendet sie gern eine Analogie: „Stellen Sie sich einen Eisberg vor. Zu sehen über dem Wasser ist nur die Spitze, das ist der Konflikt, mit dem die Streitenden in die Mediation kommen. Der wesentlich größere Teil des Eisbergs befindet sich jedoch unter der Oberfläche, so liegt der Ursprung des Konflikts oft viel tiefer, als es zunächst scheint. Es geht also darum, die emotionale Ebene zu durchbrechen, um zur sachlichen Ebene zu gelangen. Ist das geschafft, dauert es meist nicht mehr lange, bis sich die Kontrahenten geeinigt haben.“
Manchmal greife sie auch zu psychologischen Tricks. Einmal sei sie mitten in der Sitzung kommentarlos aufgestanden und rausgegangen. Binnen weniger Minuten seien sich die Medianden einig gewesen, dass das Verhalten der Mediatorin nicht in Ordnung sei, schließlich hätten sie für deren Arbeit bezahlt. „So haben die beiden wenigstens wieder miteinander geredet“, schmunzelt sie.
Zu Madlen Spellings Spezialgebieten zählt neben dem typischen Nachbarschaftsstreit auch das Vermitteln auf dem Wirtschaftssektor (vor allem innerbetrieblich) und auf kommunaler Ebene. „Zum Beispiel könnte ein Planfeststellungsverfahren vielfach wesentlich kostengünstiger und schneller ablaufen“, sagt sie, „wenn Bürger und Verwaltung frühzeitig miteinander reden würden“. Zu diesem Thema bietet sie auch geförderte Wochenendseminare an.
Mediator könne sich zwar jeder nennen, weil der Begriff nicht geschützt sei, sagt sie. Sie aber habe sich wirklich damit befasst – in einem weiterbildenden Studium an der Fern-Universität Hagen: „mehr als 300 Stunden Ausbildung“.
Da die Mediation hier zu Lande noch nicht all zu bekannt ist, ist die 33-Jährige parallel zu ihrer Tätigkeit als Mediatorin auch Rechtsreferendarin. „Ich muss noch mein zweites Staatsexamen machen, dann bin ich Volljuristin“, sagt sie. Damit wäre sie prinzipiell befähigt, als Richterin eingesetzt zu werden. Auch Anwältin zu werden, sei eine Option – jedoch eine, die sie wegen der unregelmäßigen Arbeitszeiten nicht unbedingt anstrebe. Sie ziehe den Staatsdienst vor: „Dort kann ich Familie und Beruf besser vereinbaren.“ Ihr Sohn ist derzeit zweieinhalb Jahre alt. Gern erkunde sie mit ihrer Familie die Umgebung und fahre, wenn es möglich ist, ans Meer. „Ich liebe die Ostsee“, sagt sie. Stefan Krieg