Im Schweriner-Kurier-Porträt: Gabriele und Alexej Kulisch, die vor einem Jahr vom Niederrhein nach Schwerin umzogen
Gabriele und Alexej Kulisch wollen „bis ans Lebensende“ in Schwerin bleiben. Foto: StK
Schwerin, 23.6.12
Als wir das Schloss gesehen haben“, sagt Alexej Kulisch, „da hat‘s gefunkt, da wussten wir: Hier wollen wir bleiben.“ Klar, die Schönheit von Schwerins Wahrzeichen war nicht der einzige Grund, warum er und seine Frau Gabriele vor knapp einem Jahr in unsere Stadt umzogen, aber vielleicht noch der letzte Tick, sich für Schwerin statt für einen anderen Ort unserer Region zu entscheiden. Der Nordosten Deutschlands sollte es aber auf jeden Fall sein.
Bis zum Sommer 2011 wohnten die beiden in dem niederrheinischen Ort Kamp-Lintfort – zwischen Düsseldorf und der niederländischen Grenze. Sie ist dort sogar geboren, aber Alexej kam erst 1957 nach Deutschland. Er stammt aus der polnischen Stadt Lodz, hat aber Vorfahren in Brandenburg. „Vielleicht daher habe ich immer eine gewisse Affinität zum Osten Deutschlands gehabt“, sagt der 65-Jährige.
In seiner nordrhein-westfälischen Heimat arbeitete er als Architekt und schaut sich Städte daher auch mit durchaus fachmännischen Blick an. Er freut sich: „Schwerin wurde im Krieg so gut wie gar nicht zerstört. So stehen hier noch viele wundervolle Häuser in unterschiedlichen Baustilen. Beim Spazierengehen in der Stadt entdeckt man immer wieder schöne Gebäude.“
Gabriele Kulisch war lange Zeit als Reisekauffrau tätig, widmete sich dann aber der Pflege ihrer Mutter.
In unserem Land nun genießen sie ihre Jahre als Rentner. Wie schön Mecklenburg-Vorpommern ist, erfuhren sie bereits auf mehreren Urlaubsreisen, zum Beispiel auf Rügen und Usedom. Besonders oft besuchten sie jedoch Boltenhagen, inklusive Abstecher nach Wismar. Von dort war es nicht mehr weit nach Schwerin. Später nutzte das Paar einen Zehn-Tage-Schwerinurlaub, um sich nach einer Wohnung in der Innenstadt umzuschauen. Es gelang: Die beiden fröhlichen Rheinländer fanden ein Zuhause, von wo aus alle wichtigen City-Ziele zu Fuß erreichbar sind.
So haben sie es zum Beispiel nicht weit zum Theater, zum „Speicher“ und zum Museum. „Schwerin hat kulturell so viel zu bieten“, lobt Alexej. Dies sei ein weiteres Argument für Schwerin gewesen. „Und auch nicht zu vergessen das sehr gute medizinische Angebot“, fügt er hinzu.
Kultur ist für die rheinischen Neu-Schweriner nicht allein eine passive Angelegenheit. Er ist zum Beispiel leidenschaftlicher Maler. Einige seiner Werke hängen im Wohnzimmer und im Flur: Gemälde und Grafiken. Kulischs Werke sind mal abstrakt und mal figurativ, zu seinen Sujets zählen ebenso Menschen wie Landschaften.
Auch sie hat Freude am Gestalten. „Patchwork und Puppen sind mein Hobby“, sagt sie. Vor allem aber kocht sie gern und bewirtet gern Gäste. Beide nutzen zudem oft den romantischen Garten hinterm Haus. In Kamp-Lintfort hatten sie einen eigenen Garten. Und ein Haus. Alles schön, aber letztlich haben sie leichten Herzens verkauft. „Zur Miete zu wohnen, bedeutet für uns zusätzliche Freiheit“, sagt die 63-Jährige.
Das Paar Kulisch möchte sich nun noch mehr engagieren – vor allem kulturell. (Für das Theater demonstriert haben sie bereits, und an ihrem Badzimmerfenster hängt das rote „Kulturschutz“-X.) „Auch ein Wanderverein käme für uns in Frage“, sagt er.
Gesellschaftlich aktiv war Kulisch bereits in seiner alten Heimat. Dort saß er für die Freie Bürgergemeinschaft im Kamp-Lintforter Kommunalparlament. „Ich war immer der linke Flügel der Gemeinschaft“, sagt er, und sein Hauptgebiet seien soziale Themen gewesen, zum Beispiel die Integration von Zuwanderern.
Nachdem Gabriele und Alexej Kulisch Schwerin ausgiebig erkundet haben, wollen sie nun „immer weitere Kreise ziehen“. Die nächsten Kurzreiseziele sind zum Beispiel Ludwigslust, Rostock und Waren/Müritz. Und kürzlich besuchten sie sogar Thüringen.
Bei aller Liebe zu ihrer neuen Heimatstadt – einen dringenden Wunsch haben die beiden noch: „Schwerin muss sich bemühen, die Jugend wieder in die Stadt zu kriegen. Zu viele junge Leute mit guter Schulbildung wandern in den Westen ab. Da muss auch das Land gegensteuern. Wir wollen nicht, dass Schwerin eine Altenstadt wird“, sagt der Rentner Alexej Kulisch. Stefan Krieg