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„Beziehung zu den Vögeln aufrecht erhalten“

Im Schweriner-Kurier-Porträt: die Zootierpflegerin Astrid Haberlandt, die in ihrer Freizeit im Gospelchor „Spirit Of Joy“ singt

Foto: „Beziehung zu den Vögeln aufrecht erhalten“
Astrid Haberlandt ist es wichtig, dass sie dranbleibt „an der Basis“. Foto: StK
Schwerin, 30.6.12
Tiere fand ich schon als kleines Kind toll. Da mussten meine Eltern einiges aushalten“, sagt Astrid Haberlandt und schmunzelt. „Was ich schon alles mit nach Hause gebracht habe: aus dem Nest gefallene Vögel, ein paar weiße Mäuse, die sich dann gnadenlos vermehrt haben. Auch allerhand Insekten habe ich angeschleppt, und später hatte ich eine Katze.“ Jetzt sind ihre Lieblinge der Fauna die Pinguine. Für eine Sprotte außer der Reihe watscheln die kleinen Schnappschnäbel zur Freude der Zoobesucher schon mal ein paar Schritte aus ihrem Gehege.
In Gadebusch, wo die heute 48-Jährige aufgewachsen ist, gab und gibt es keinen Zoo und keine Pinguine, aber ganz in der Nähe, in Reinhardtsdorf, existierte ein Kälbermastbetrieb mit 4.000 Jungrindern. „So eine Größenordnung, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, sagt sie. Dort jedenfalls lernte die junge Frau ihren ersten Beruf: Zootechniker/Mechanisator in der Fachrichtung Milchvieh. Sie begann 1980, und im selben Jahr sei erstmals die Lehre zum Zootierpfleger angeboten worden. „Das habe ich leider nicht gewusst, sonst hätte ich mich um die Ausbildung bemüht.“ Aber bald bot sich ihr die Gelegenheit, diese  nachzuholen.
„Während der Lehre habe ich meinen jetzigen Mann kennen gelernt, der aus Schwerin stammte. Also wollte ich in Schwerin eine Arbeit finden. Ich habe mich im Zoo umgeguckt und dort schnell einen Fuß reingekriegt. Ich bekam gleich einen festen Vertrag“, erinnert sie sich. Das war 1983, und ein Jahr später holte sie per Erwachsenenqualifizierung ihren Zootierpfleger-Facharbeiterabschluss  nach.
Ihr erstes Zoo-Revier bewohnten die Nashörner, und auch für die Affen war sie anfangs zuständig. Es ergab sich dann aber, dass sie 1988 zum Vogelrevier wechselte. Mit den Flamingos, Enten und Pinguinen mochte sie sich erst gar nicht so gern befassen, vor allem, weil ihr der direkte Kontakt fehlte – Vögel haben eben kein Fell und lassen sich nicht ohne Weiteres anfassen. Selbst die dickhäutigen Rhinozerosse ließen sich streicheln, aber die Gefiederträger?
Eine Kollegin habe ihr erzählt, wenn man einmal Gefallen an der Arbeit mit den Vögeln gefunden habe, dann sei man „infiziert“ und wolle gar nicht mehr weg von dem Revier. „Ich war dann irgendwann infiziert“, lächelt Haberlandt. Von 1990 bis 2010 leitete sie im Schweriner Zoo das Vogelrevier – bis sie vor zwei Jahren krankheitsbedingt kürzer treten musste und auf einen Halbtagsjob als Assistentin der Zooleitung wechselte.
Zur selben Zeit begann sie auch mit ihrem neuen Hobby, dem Gesang: Sie ist Mitglied in dem Schweriner Gospelchor „Spirit Of Joy“ unter der Leitung von Matthias Schröder. „Das Singen ist ein wundervoller Ausgleich, daraus schöpfe ich auch Kraft, wenn es mir mal nicht so gut geht. Singen ist gut für die Seele“, sagt sie. Ein- bis zweimal im Monat tritt der Chor auf, geprobt wird an einem Tag pro Woche. „Ich singe aber auch zu Hause, gern beim Saubermachen. Ich lege dazu oft meine Übungs-CD ein“, fügt sie hinzu. Ein kleines Solokonzert für ihren Mann? Sie lacht: „Nein, nein, wenn ich zu Hause singe, achte ich darauf, dass keiner dabei ist.“
Als sie in den Chor aufgenommen wurde, sei sie eine eher ungeübte Sängerin gewesen. Das letzte Ensemble, dem sie ihre Stimme lieh, war ein Kinderchor. Und sie beherrsche keine Noten. Dies gleiche sie aber durch ein gutes Gehör aus. „Bei uns steht die Freude am Singen im Vordergrund“, sagt Astrid Haberlandt, „und früher klangen wir manchmal ein bisschen schräg. Jetzt sind wir aber schon viel besser geworden.“ Auch für die Geschichte des Gospels interessiere sie sich. Heute ist er vor allem für seine Spiritualität bekannt, die Texte drehen sich um Religion. „Ich kann mich mit dem Gospel identifizieren“, sagt sie, „obwohl ich Atheistin bin.“
Ob die Pinguine im Zoo etwas mit „Down By The Riverside“ und „When The Saints Go Marchin‘ In“ anfangen könnten? Wahrscheinlich eher nicht. Vielleicht aber Haberlandts Britisch-Kurzhaar-Katze und ihr Border-Terrier. Ja, Haustiere hat sie auch noch. „Ich setze die Tierliebe zu Hause fort“, sagt sie. Auf Arbeit hat die Zootierpflegerin seit ihrem Jobwechsel nur wenig direkt mit den Tieren zu tun, sondern sie kümmert sich eher um das Organisatorische und Fachliche. Manchmal aber leitet sie noch besondere Führungen – wobei sie die Tiere auch füttert. „Es ist mir wichtig, dass ich dran bleibe an der Basis und nicht nur am Schreibtisch sitze“, sagt sie. „Ich möchte die Beziehung zu den Vögeln aufrecht erhalten, besonders zu den Pinguinen.“ S. Krieg

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