Heute vorgestellt: Mutter und Tochter Silvia und Carolin Rabethge - zwei Frauen, ein Chor und ein Kater
Mutter und Tochter vor der "Verwandlung" ...
... und danach. Ganz klar, wer hier den Hut oder auch die Mütze auf hat … – aber Mutter und Tochter verstehen sich offensichtlich gut.Fotos: I. Schwaß
Schwerin, 24.7.10
Während auf der Bühne Leonora mit ihrem Geliebten Don Alvaro ihre Flucht vorbereitet, ein Schuss losgeht und Leonoras Vater singend stirbt, lässt sich Carolin Zöpfe flechten, zieht sich derbe Baumwollsachen an und verwandelt sich in ein spanisches Bauernmädchen des 18. Jahrhunderts. Zusammen mit ihrer Mutter und mehr als 80 weiteren Mitgliedern der Singakademie wird die 21-Jährige sich hinter der Bühne bei den Zelten „einsingen“, um dann zum vielleicht 17. Mal an der „Macht des Schicksals“ teilzuhaben.
Silvia und Carolin Rabethge singen seit langem – beide gehörten sie, wenn auch zu verschiedenen Zeiten, dem Chor des Goethegymnasiums an und beide zählen sie heute zu den Sopranstimmen des „Extrachors“ am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin.
Wann Carolin das erste Mal auf der Bühne stand, weiß sie nicht mehr genau. „Das war wohl bei der Oper Wozzeck 2001, damals noch im Kinderchor des Staatstheaters. Dafür war ich aber irgendwann zu groß, und dann musste ich zwei, drei Jahre warten, bis ich beim Erwachsenenchor mitmachen durfte.“
Silvia Rabethge kam eigentlich durch ihre ältere Tochter Anne-Kathrin zum Chor. „Ich habe sie immer zu den Proben und Auftritten gebracht und danach wieder abgeholt, und dann dachte ich: Kannste ja mal fragen, ob du nicht auch selbst …“
Sie konnte. Erstmals beim „Maskenball“ vor sechs Jahren sang sie mit und seitdem immer wieder bei verschiedenen Inszenierungen. Viermal die Woche abends auf der Bühne, ist das nicht auch ein bisschen stressig? „Nein, gar nicht.“ Die Journalistin, die als Referentin beim Landesmarketing M-V arbeitet, sieht darin vielmehr einen schönen Ausgleich zu ihrem Job: „Auch hier gibt es immer neue Herausforderungen.“
Aber hatten sich Mutter und Tochter nicht doch heimlich manchmal gewünscht, es würde in diesen heißen Tagen wenigstens ein einziges Mal während der Vorstellung so heftig gewittern, dass man einen freien Abend für sich hätte? Synchrones Kopfschütteln: „Nein, wirklich nie“, sagt die Mutter. „Es ist einfach fantastisch, bei so einem tollen Wetter aufzutreten. Wenn wir gerade selbst nicht singen, können wir hinter der Bühne sitzen und den anderen zuhören. Das ist wunderbar, und man hat das Gefühl, in Italien zu sein. Wir hatten ja schon andere Jahre, da waren unsere Sachen klitschnass und wir völlig durchgefroren …“.
Auch „Caro“ liebt die Abende bei der Oper. „Ich bin schließlich mit klassischer Musik aufgewachsen.“ Aber, gibt sie zu, „im anderen Leben“ sei sie doch eher ein „Elektrofreund“ und Festivalgänger. Selbst diese musikalische Vorliebe teilt sie mit ihrer Mutter. Beide besuchten gemeinsam Konzerte von Kraftwerk und Rammstein. „Und auch zu Hause oder im Auto wird es bei uns schon manchmal sehr, sehr laut.“
Laut wird es in dem Frauenhaushalt (wenn man mal von Kater Leo absieht) auch schon mal zur Unzeit: Wenn es Carolin so überkommt, dann setzt sie sich nachts ans Klavier und haut in die Tasten. Klarinette hat sie früher auch gespielt, aber dafür reicht heute die Zeit nicht mehr. Schließlich muss sie bei Arbeitsantritt immer fit sein – Carolin macht bei den Helios Kliniken eine Ausbildung zur Krankenschwester, und das heißt eben auch: Schicht-System.
Arbeit und Musik, bleibt da überhaupt noch Zeit für andere gemeinsame Dinge? „Kaum. Neulich waren wir zusammen baden am Lankower See“, sagt die Mutter. „Das war sehr schön, aber sowas ist eben doch selten. Zumal Caro einen großen Freundeskreis hat und viel unterwegs ist.“
Trotz großen Freundeskreises ist Carolin demnächst ganz allein unterwegs: Sie macht vier Wochen Urlaub. Alles, was sie sich vorab organisiert hat: ein Flugticket nach Venedig und ein Ticket für den Rückflug von Dublin. Dazwischen will die junge Frau Rom, Brügge, Brüssel und andere europäische Städte entdecken – und das unabhängig und deshalb eben allein.
Auch die Mutter hat nach der „Macht des Schicksals“ so ihre eigenen Pläne: Da ist zunächst die „heiße Phase“ der Vorbereitungen für den Mecklenburg-Vorpommern-Tag in Schwerin (am 14. und 15. August), dann die Arbeit als stellvertretende Ortsbeiratsvorsitzende in Lankow und ganz zum Schluss sind da noch all die über den Sommer liegen gebliebenen Filz- und Strickarbeiten …
Eines aber ist klar: In nicht allzu ferner Zeit werden Mutter und Tochter wieder zusammen auf der Bühne stehen und singen. I. Schwaß