Bauverband M-V fordert mehr öffentliche Aufträge
In den vergangenen Wochen wurde mehr geräumt als gebaut. Foto: is/Archiv
Schwerin, 26.2.10
Während der amtierende Hauptgeschäftsführer der Schweriner Industrie- und Handelskammer Ulrich Unger meint, „im Baugewerbe überwiegen nun die positiven Lageeinschätzungen“, kommt der Bauverband M-V doch zu einer etwas anderen Position.
„Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat 2009 auch den Bau erreicht“, heißt es aktuell von Seiten des Bauverbandes. Nachdem der Umsatz im Bauhauptgewerbe bereits 2008 um elf Prozent gesunken seien, hätten auch 2009 Umsatz und Auftragseingang gegenüber dem Vorjahr um etwa acht Prozent abgenommen. Jörg Schnell, Hauptgeschäftsführer des Bauverbandes M-V, sagte am Dienstag dieser Woche bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturdaten für das Jahr 2009 in Schwerin: „Wir sind von der allgemeinen Krise nicht verschont geblieben, daran konnten auch die Konjunkturpakete nichts ändern.“
Von öffentlichen Auftraggebern bekamen die Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten im gesamten Jahr 2009 Aufträge im Wert von 353,5 Millionen Euro, das sind 53,5 Millionen Euro oder 13,1 Prozent weniger als 2008. Das Ziel der Konjunkturpakete, zusätzliche Baunachfrage zu erzeugen, sei damit „eindeutig verfehlt“ worden.
Auch der Wirtschaftsbau verzeichnet in Folge der allgemeinen Konjunkturkrise Auftragseinbußen von 22,5 Millionen Euro oder 7,3 Prozent. Einzig der Wohnungsbau weist in der Jahresbilanz ein leichtes Auftragsplus von 5,3 Millionen Euro oder 3,7 Prozent aus.
Ihren Niederschlag findet die Auftragsschwäche auch bei den Umsatzzahlen. Über alle Bausparten nahm der Umsatz in 2009 gegenüber dem Vorjahr um 7,5 Prozent ab. In 2008 lag der Umsatz noch bei 1,62 Milliarden Euro, 2009 waren es nur noch 1,5 Milliarden Euro. Der Umsatzverlust von 122 Millionen Euro wurde vor allem im Wirtschaftsbau (-127 Millionen Euro) und im Öffentlichen Bau wirksam (-42 Millionen Euro). Allein der Wohnungsbau weist einen Zuwachs beim Umsatz in Höhe von 47 Mio. Euro (+10,8 Prozent) aus.
Im Dezember waren im Bauhauptgewerbe 16.000 Beschäftigte gemeldet. Das ist gegenüber dem Vorjahresmonat Dezember nur ein leichtes Minus von 2,5 Prozent oder 400 Beschäftigten. Im Jahresdurchschnitt hat die Beschäftigung nur leicht geschwankt und war insgesamt stabil.
Belastet wird die Branche seit Ende letzten Jahres ebenso durch die anhaltende Winterwitterung. Doch das Hauptproblem für die Baubetriebe ist nach den Worten von Hauptgeschäftsführer Jörg Schnell nicht das Wetter. „Wir brauchen Aufträge, damit wir bauen können. Wenn der Winter vorbei ist, muss es wieder losgehen. Gerade die öffentlichen Auftraggeber können dazu einen Beitrag leisten. Mit dem Konjunkturpaket II stehen Mittel bereit, die schnell an den Markt müssen“, so lautet seine Forderung. red